Lisette Oropesa als Violeta Valéry setzt neue Maßstäbe für Simon Stones La Traviata
Oropesas eher lyrischer als dramatischer Sopran beeindruckt mit schimmernder Schönheit, ist technisch perfekt und ermöglicht ihr ein müheloses Legato und präzise himmlische Koloraturen, auch in höchster Stimmlage. Das duftig leichte Timbre und ihr feines Vibrato verleihen ihrer Stimme einen pochenden, eindringlichen Klang. Wunderbar gestaltet sie das „Sempre libera“ und die Triller in „Ah, fors‘ è lui“ im dritten Akt. Wehmütig und gleichzeitig doch auch lebensfroh. Bei der Gestaltung der Rolle kommt Oropesa ihr untrügliches Gespür für Charaktere zugute. Im ersten Akt wirkt ihre Violetta noch etwas gekünstelt, narzisstisch und kapriziös. Die Entdeckung der wahren Liebe mit Alfredo verwandelt sie im zweiten Akt in eine verantwortungsbewusste, liebende, sorgende Frau, wozu auch das Gespräch mit Alfredos Vater beiträgt. Im dritten ist sie dann von der tödlichen Krankheit schwer gezeichnet, schwankend zwischen totaler Verzweiflung und aufkeimender Lebenslust, was sie auch stimmlich hören lässt. Dazu gehört Mut. Oropesas Gestaltung der Sterbeszene kann ergreifender nicht sein, auch wenn ihr von der Regie auferlegte stetes Voranschreiten auf der Drehbühne in krassem Widerspruch zu ihrer elenden körperlichen Verfassung steht. Aber wenn die Traviata dann im hell gleißenden Spalt verschwindet, ist das ein effektvoller, kaum zu überbietender Abgang.
Lisette Oropesa as Violeta Valéry sets new standards for Simon Stone's La Traviata
Oropesa's rather lyrical than dramatic soprano impresses with shimmering beauty, is technically perfect, allowing for effortless legato and precise heavenly coloratura, even in the highest register. The airy light timbre and her delicate vibrato give her voice a pulsating, compelling sound. She wonderfully shapes the "Sempre libera" and the trills in "Ah, fors' è lui" in the third act. Wistful yet also joyful. In portraying the role, Oropesa benefits from her unerring sense of characters. In the first act, her Violetta appears somewhat artificial, narcissistic, and capricious. The discovery of true love with Alfredo transforms her into a responsible, loving, caring woman in the second act, also aided by the conversation with Alfredo's father. In the third act, she is heavily marked by the deadly illness, oscillating between total despair and burgeoning joie de vivre, which is also evident in her voice. It requires courage. Oropesa's portrayal of the death scene couldn't be more moving, even though the continuous progression imposed on her by the direction on the rotating stage starkly contradicts her miserable physical condition. However, when Traviata then disappears into the brightly shining gap, it is a striking and incomparable exit.
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Manfred A. Schmid
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